
Wie man es vom DuMont Reiseverlag gewohnt ist, handelt es sich auch beim Iran-Band um einen Kunstreiseführer, der demnach die üblichen Stärken und Schwächen dieser Gattung erwarten läßt.
Das Buch umfaßt 400 Seiten, ist auf hochwertigem Papier gedruckt, was der Qualität der vielen Fotos zugute kommt, und wiegt dadurch immerhin stolze 750g.
Der in Iran gebürtige Autor Dr. Mahmoud Rashad ist Archäologe, Islamwissenschaftler und Arabist, war jahrelang an der Universität Frankfurt tätig und ist seit langer Zeit auch als Studienreiseleiter vor allem in Iran unterwegs. Er ist also nicht nur aufgrund seiner Ausbildung, sondern auch hinsichtlich der praktischen Reiseerfahrung ein erstklassiger Kenner des alten und des modernen Iran.
Der Reiseführer beginnt mit einem landeskundlichen Kapitel, in dem Geografie, Bevölkerung, Religionen und Geschichte Irans vorgestellt werden. Am Ende des geschichtlichen Teils befinden sich eine Zeittafel und eine Übersicht wichtiger Persönlichkeiten.
Daran schließt sich der Hauptteil des Buches an, nämlich die Beschreibung der Kulturstätten des Landes. Er ist geografisch nach Provinzen gegliedert, den Anfang macht die Hauptstadt Teheran. Zu Beginn jedes Kapitels wird die jeweilige Region kurz vorgestellt und ihre wichtigsten Sehenswürdigkeiten werden genannt. Die Auswahl der Sehenswürdigkeiten ist umfassend und repräsentativ, ihre Beschreibung fachlich fundiert und über jeden Zweifel erhaben. Der Autor ergänzt die Texte außerdem reichlich durch Übersichtskarten, Lageskizzen, archäologische Rekonstruktionen, historische Abbildungen und aktuelle Fotos.
Am Ende des Hauptteils folgen zwei Seiten mit sehr aktuellen Literaturempfehlungen zu iranischer Literatur, Geschicht, Kunstgeschichte, Architektur und Reiseliteratur. Es schließt sich ein sechsseitiges Glossar mit kunsthistorischen und sonstigen Fachbegriffen an.
Den Schluß des Reiseführers bildet der praktische Teil, der – wie bei allen DuMont-Kunstreiseführern – sehr schmal ausfällt. Ein paar Hinweise zu Botschaften, Einreisebestimmungen und Devisen, einige Hotel- und Restaurant-Adressen, ein Abschnitt zum persischen Essen und dergleichen mehr – auf nur 20 Seiten läßt sich das alles nur ganz kurz anreißen. Vielleicht könnte DuMont wieder dazu übergehen, dieses Kapitel der Reiseführer auf dünnerem, leichterem Papier zu drucken, um so etwa die doppelte Menge an Text unterzubringen. So karg die praktischen Informationen auch ausfallen, sie sind auf jeden Fall sehr aktuell und korrekt.
Das Layout des Buches ist recht benutzerfreundlich. In den beiden aufklappbaren Umschlagseiten vorn und hinten befinden sich farbige Karten vom Nord- und Südteil des Landes. Noch vor dem Inhaltsverzeichnis ist eine Liste der wichtigsten Orte mit Seitenangabe und dem entsprechenden Kartenplanquadrat eingefügt, wodurch man sich im Buch sehr schnell zurechtfinden kann. Das sehr detaillierte Inhaltsverzeichnis enthält eine gesonderte Rubrik für die vielen Stadt- und Regionalpläne.
Am Ende des Reiseführers befindet sich ein siebenseitiger Index, der nach Personen- und Ortsnamen getrennt ist. Das scheint zunächst ausreichend, allerdings wäre es vielleicht ganz praktisch, wenn im Register auch die Sehenswürdigkeiten aufgeführt wären; dies ist nur bei Teheran der Fall, wo die entsprechenden Besichtigungsorte diesem Indexeintrag beigeordnet wurden.
Ein weiteres Manko ist die Beschriftung der Stadtpläne. Dort sind, abgesehen von Straßennamen, ausschließlich Sehenswürdigkeiten eingezeichnet. Keine Post, kein Bahnhof, keine Bank, kein Hotel oder Restaurant – noch nicht einmal die, die im Anhang aufgelistet sind. Die Karten sollen zwar keine regulären Stadtpläne ersetzen, aber ein paar mehr Orientierungspunkte könnten sie schon bieten, um wirklich praktisch zu sein. Gerade für Teheran wären außerdem ein größerer Kartenausschnitt bzw. mehrere Einzelkarten wünschenswert gewesen, um einen besseren Überblick über diese riesige Stadt zu geben.
Der Titel des Reiseführers verspricht unter anderem „lebendige Traditionen“, dies allerdings wird im Buch überhaupt nicht erfüllt. Das moderne Leben bleibt in der Tat völlig unbeachtet, obwohl eine Reise in Iran gerade durch den Kontakt zur Bevölkerung so reich und interessant wird.
Es steht natürlich außer Frage, daß ein Kunstreiseführer keine (alleinige) Lektüre für Individualtouristen sein kann. Das soll er auch gar nicht. Doch selbst für Reisende, die innerhalb einer organisierten Reise, in einer Gruppe unterwegs sind, wären ein wenig ausführlichere Informationen zu den praktischen Aspekten einer solchen Tour sehr hilfreich. Das könnte man, meiner Meinung nach, durchaus leisten; auch im Rahmen eines Kunstreiseführers.
Ansonsten aber ist der Iran-Band von DuMont uneingeschränkt zu empfehlen, da er die Vielfalt der iranischen Kunst und Architektur auf sehr schön aufbereitete Weise wiedergibt und neugierig macht auf dieses wunderbare Land.
Rezension
Ulrike Berndt
(15. Juni 2009)

