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Poetische Topographie

Erlaß der zweijährigen Strafdienstzeit für den Soldaten Gundermann: Oktober 1834

Gundermann auf der Wiese blaß
will nach Norden
ins Mansfeldische hoch
über die leeren Felder quer
zur Furche

Ich habs noch in den Gliedern
und es zerrt wie Kuhstrick mir am Hals
das Allesmeins, das Allzublaß
die immerblühenden Gleise
sie führen immer zurück zur Zunge

Marie ich bin so alt mein Name schmeckt
so fad Marie
ich war so lang Soldat ich bitt dich falt
die Hände wie zum Gebet Marie
und sag s ist nicht zu spät der Seiger steht
kein Sand verrinnt kein Wasser seiht
s ist noch Zeit: sag das und bet dabei

Unaufhörlich das Zirpen der Grillen unausgesetzt
mein Kopf Reden und Gegenreden
wie Taubengurren dreht der Wind mir
durch die Ohren und gefangen
spring ich im Viereck des Gesichts

Eine Hand am Hals: wie das durch die Adern
hetzt dieses Sträßchen Gundermann
mit allzublassen Blütchen und die Wege
wasserreich auf der durchsichtigen Haut
diese Hand die ich frage sagt wenig heute

Marie wie kann das sein: die traumhaften
Hornissen die haben ihren Bau
ein Heim und ich Marie
ich habe kein und kein und hab
mich rausgerissen und rolle
wie die Distel übers Feld
und such Marie den Boden der mich hält

Mein Innerstes will ich auswendig tragen
den schwarzen Holunder wäscht der Regen
blank: klarer Morgen
aus meinem Kopf steige ich in deine Felder
mein Schrittmaß schafft: ein Tagwerk Land

Tapfer sind
die frostigen Hagebutten und die rauhen
Schlehen
tapfer ist die Zirre
eisig und schnell und in äußerstem Abstand