
Zdrava voda
Die Berge, zwei gebändigte Tiere, nähern sich
Scheu aus dem Tal der Neretva, wo das
Leuchten der Landschaft herkommt. Das
Forellenvolk lehnt sich noch forsch
In die labende Strömung, in Erwartung
Des handzahmen Schlächters, der das
Heilsame Beil setzt. Alle Blicke im Licht.
Schnee auf den Häuptern der Gipfel.
Du stehst und staunst – und fragst dich
Nach dem Zorn dieser freundlichen Völker
Auf diesem abschüssigen Grund. Das
Wasser perlt, die Forellen dinnieren: fern
Das Dröhnen der Fälle; und die Ahnung
Deiner Ferne ganz fern. Hinter den
Schlingen, bald, via Mostar, beginnen
Die Reiche des Karsts, ihre steinigen
Zungen lecken bis in die Haine der Feigen,
Die zwischen Ruinen aufgehn. In den
Herzkammern rauscht der Wind und die
Sonne; der Busfahrer ruft; der seltne
Tourist knipst, pinkelt, benagt beherzt die Forelle,
Ein Cumulus blakt über der Landschaft –
Zdrava voda: bis hierher bin ich geflüchtet
Vor dir und deiner abhandenen Liebe.
