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Poetische Topographie

Gedichte und erzählende Texte

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Poetische Topographie

Guanabo, Playas del Este, La Habana

oder: Die Schöne des Strandes


Die Schöne des Strandes heisst Gladis;

im String grell die Brille

verdunkelt die Augen

schwarz fast beim Gespräch

auf Armkontakt.

Sie ist Lehrerin, Mutter,

ihr Mann ein Ex-Mann, bei einer Anderen,

im Bett, das nächste Kind. Türkis

im Hintergrund das Badewannenmeer,

diese Warmwasser-Salzlache,

meine Nachmittagstinktur.

Zwei minderjährige Mulattinnen, die Italienern

an die Bärte, Bäuche und Börsen gehen.

Der Strandwärter in Uniform

kennt seine Trickdiebe. Lazaro sagt,

er könne alles besorgen.

Die obere Zahnpartie, nur noch spärlich besetzt,

Worte in milden Fontänen. Wir rauchen.

Was willst du, sagt Lazaro,

Ficken ist das Einzige,

das dich die ganze Scheiße mal für eine Weile

vergessen lässt,

ich wische seine Sätze aus meinem Gesicht.

Gladis ist keine Hure,

nur manchmal in Teilzeit,

an Koks hat sie sich gewöhnt. Lazaro

streicht ihr über die Honighaut. Alte Freunde

sind wir, lächelt er.

An diesem Strand

kennt jeder jeden jede,

die Frauenkörper Stundenhotels,

ihre öffnungen Schließfächer

für die Dollarbündel der Auswärtigen.

Ich schwimme,

bis ich keine Palme mehr sehe,

nur noch das Offene,

ein Horizont in Rot,

die Umkehr mit Mühe.

Auf der Busfahrt zurück in die Verfallsstadt

denke ich an Lazaro,

der alles besorgen kann,

woran ich keinen Zweifel habe,

an Gladis denke ich,

deren Anblick jeden küsst,

der sie zu betrachten weiß