
Guanabo, Playas del Este, La Habana
oder: Die Schöne des Strandes
Die Schöne des Strandes heisst Gladis;
im String grell die Brille
verdunkelt die Augen
schwarz fast beim Gespräch
auf Armkontakt.
Sie ist Lehrerin, Mutter,
ihr Mann ein Ex-Mann, bei einer Anderen,
im Bett, das nächste Kind. Türkis
im Hintergrund das Badewannenmeer,
diese Warmwasser-Salzlache,
meine Nachmittagstinktur.
Zwei minderjährige Mulattinnen, die Italienern
an die Bärte, Bäuche und Börsen gehen.
Der Strandwärter in Uniform
kennt seine Trickdiebe. Lazaro sagt,
er könne alles besorgen.
Die obere Zahnpartie, nur noch spärlich besetzt,
Worte in milden Fontänen. Wir rauchen.
Was willst du, sagt Lazaro,
Ficken ist das Einzige,
das dich die ganze Scheiße mal für eine Weile
vergessen lässt,
ich wische seine Sätze aus meinem Gesicht.
Gladis ist keine Hure,
nur manchmal in Teilzeit,
an Koks hat sie sich gewöhnt. Lazaro
streicht ihr über die Honighaut. Alte Freunde
sind wir, lächelt er.
An diesem Strand
kennt jeder jeden jede,
die Frauenkörper Stundenhotels,
ihre öffnungen Schließfächer
für die Dollarbündel der Auswärtigen.
Ich schwimme,
bis ich keine Palme mehr sehe,
nur noch das Offene,
ein Horizont in Rot,
die Umkehr mit Mühe.
Auf der Busfahrt zurück in die Verfallsstadt
denke ich an Lazaro,
der alles besorgen kann,
woran ich keinen Zweifel habe,
an Gladis denke ich,
deren Anblick jeden küsst,
der sie zu betrachten weiß
