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Kleine Erdkunde

Cenitz Ostatua in Guéthary, Frankreich

Restaurant Cenitz Ostatua
Thierry Listre
Plage de Cenitz
64210 Guéthary, Frankreich
Tel.: 05 59 26 59 16

„Es waren amüsante Zeiten. Wir haben tagelang mit den Würfeln gespielt.” Noch heute erzählt Thierry Listre begeistert von seiner arbeitsreichen Zeit in Deutschland. Mit federndem Gang – seine halblangen lockigen Haare wippen bei jedem Schritt – kommt er an den Tisch und hält ein Schwätzchen.

Zwischen den mondänen Seebädern Saint Jean de Luz und Biarritz liegt das kleine schmucke Städtchen Guéthary an der französischen Biskayaküste. Während Biarritz noch immer für die Belle Époque, für prachtvolle Hotels und mondäne Casinos steht, sind die kleineren Orte zwischen Biarritz und Saint Jean de Luz ideale Plätze, um den Atlantik und die gelassene französische Lebensart in den Bars zu genießen.

Eine dieser kleinen Bars gehört dem Franzosen Thierry Listre. Zu ihm gelangt man über die schmale Hauptstraße von Guéthary, vorbei am Hotel de Madrid und der Bar Basque, in der man ein köstliches baskisches Bier trinken kann, über die Eisenbahnlinie hinweg, dem leichten Linksbogen der Straße folgend. Der Weg führt vorbei an Strandvillen, die von üppigen Gärten umgeben sind. Von hier aus eröffnet sich ein traumhafter Blick auf die Weite des Atlantiks. Biegt man bei der ersten Gabelung rechts ab, erreicht man den von Pinien und Klippen umgebenen Strand von Cenitz, wo Thierry Listre seine Bar besitzt.

Thierry spricht ein ausgezeichnetes Deutsch, das er während seiner zehnjährigen Tätigkeit in Düsseldorfer Werbeagenturen gelernt hat. Noch heute gerät er ins Schwärmen, wenn er von seiner Zeit in Deutschland erzählt. Stressfrei soll es gewesen sein und vergnügt, monatelang hatte man Zeit, um eine Anzeige zu entwickeln. Keine Spur von Krise in der Werbebranche. Um Arbeitsplätze musste man sich keine Sorgen machen, erzählt er. Vor acht Jahren kam Thierry zum ersten Mal nach Guéthary. „Um den Surfern zuzuschauen”, wie er schmunzelnd berichtet. Er verliebte sich, blieb und lernte selber surfen. „Die Gegend ist für mich bis heute ein Traum geblieben”, erzählt er mit charmantem französischen Akzent. „Auch wenn es früher noch unkomplizierter war ... und vielleicht einen Tick lebenswerter. Wenn ich zum Surfen fuhr, konnte ich mein Auto abstellen, wo immer ich wollte. Heute muss ich mich an Parkplätze halten und meinen Wagen abschließen”, bedauert er und schüttelt verständnislos den Kopf. Nicht nur, weil ihn die Küste so faszinierte, sondern auch, weil er von etwas leben musste, kaufte Thierry eine heruntergekommene Imbissbude am Strand von Cenitz.

Er renovierte sie und machte daraus eine Strandbar, die heute zu einem gefragten Restaurant geworden ist. Eine Reservierung ist aus diesem Grund unbedingt notwendig. Gegessen werden darf ab acht Uhr, denn von sieben bis acht hat Thierry sein Restaurant für sich und seine Belegschaft reserviert. „Das ist hier so üblich”, lächelt er. „Nur mit vollem Magen und nach einem Gläschen Wein können wir den nötigen Service bringen.” Danach steht alles im Zeichen der Gäste. Dann kann man mit Blick auf den Atlantik auf der zum Teil überdachten Terrasse vortreffliche Fischgerichte kosten. Besonders empfehlenswert ist auch die große Auswahl an günstigen Aperitifen: den Ricard gibt es für 2,50 Euro, die Sangria maison für 3 Euro und einen Martini ebenfalls für 3 Euro.

Trotz seiner neuen Karriere in der Gastronomie kann Thierry nicht ganz von der Werbung lassen: Neben seiner Tätigkeit als Restaurantbesitzer entwickelt er das Layout für Surfzeitschriften. Seiner Frau ist die Branche auch nicht ganz fremd: sie ist mit Frederic Beigbeder verwandt, der mit seinem Roman 39.90 einen Bestseller über die Welt der Werbung schrieb. Beigbeder besitzt übrigens auch ein Haus in der Gegend und ist sicherlich auch häufiger bei Thierry zu Gast, um bei einem Martini den Sonnenuntergang zu genießen und ein Schwätzchen über die Welt der Werbung zu halten.