Sacha Mirzoeff: Shooting Under Fire
Sacha Mirzoeff
Shooting Under Fire
Deutschland / Israel / besetzte Gebiete der Palästinenser 2005, 75 Min.
Notiz vom Golden Apricot Filmfestival 2009
Ein Bild in der Zeitung zeigt einen Ort in Israel nach einem Selbstmordattentat, auf abgesperrten Territorium wird aufgeräumt. Dies ist nicht die Fotografie, auf dem man den Kopf der Attentäterin abgetrennt vom Körper auf dem Boden liegen sieht. Die Mitarbeiter im Reutersbüro haben sich entschieden, dieses Bild nicht zu veröffentlichen. Reinhard Krause, 2001 bis 2004 deutscher Chef des Reutersbüro in Israel, muss solche Entscheidungen täglich treffen. „Die Bilder müssen die Geschichte erzählen. Ich veröffentliche keine Bilder, nur um zu schocken.“
Der Dokumentarfilm „Shooting Under Fire“ portraitiert Krause ebenso wie Fotojournalisten aus Israel und Palästina. Jeder hat seinen Blick auf die Realität, und jeder fotografiert aus der Sicht seines Volkes. Deswegen glaubt Krause, dass es gut ist, wenn ein Ausländer das Büro leitet: „Ich stehe auf keiner Seite.“ Jeder der Fotografen geht auf seine Art mit dem Geschehen um – doch eines haben sie gemeinsam: Sie wollen trotz aller Gefahren ihren Job nicht aufgeben. „100 Prozent sicher ist man nirgends“, sagt Krause. Aber mit Hilfe der lokalen Bevölkerung sei es möglich, sich dem Geschehen so sicher wie möglich zu nähern. „Wir rennen ja nicht mitten in eine Schießerei, nur um Bilder zu machen. Wir versuchen, die Gefahren für uns so gering wie möglich zu halten.“
Die Bilder der Fotojournalisten sollen Geschichten erzählen – der Film zeigt die Geschichten dahinter. Und verändert ganz nebenbei den Blick auf die Fotografien in der Zeitung, indem die Bilder in Kontexte gesetzt werden. Nicht nur die ihrer Inhalte und Umgebung, sondern besonders die ihrer Entstehung.
Text
Wiebke Zollmann
(31.7.2009)
