Francis Ford Coppola: Tetro
Francis Ford Coppola
Tetro
USA / Italien / Spanien / Argentinien 2009, 127 Min.
Notiz vom Golden Apricot Filmfestival 2009
„Meine Stücke brauchen kein Ende. Und weißt du warum? Weil sie niemals veröffentlicht werden!“
Bennie, ein 17-jähriger Junge, trifft in Buenos Aires auf seinen älteren Bruder. Das frühere Idol hat sich zurückgezogen, lehnt jeglichen Kontakt mit seiner Familie seit Jahren ab und hat den Traum, Schriftsteller zu sein, längst begraben. Wenig begeistert reagiert er auf den unerwarteten Besuch. Tetros Freundin dagegen schließt Bennie ins Herz, für einige Tage wohnt er bei den beiden. Dort entdeckt er ein Manuskript, in dem Tetro seine Familiengeschichte verarbeitet und beschreibt, wie er an seinem Vater, einem berühmten Dirigenten, beinahe zerbricht. Das Ende der Erzählung lässt Tetro offen, Bennie schreibt einen Schluss und veröffentlicht das Stück unter seinem Namen. Es wird aufgeführt und Bennie von der wichtigsten Kritikerin Südamerikas zu einem Festival eingeladen. Dort angekommen erfahren die Brüder vom Tod des Vaters, Bennie reist zum Begräbnis. Statt dem Staatsakt still beizuwohnen, zerstört er, der inzwischen die Wahrheit über die Familiengeschichte kennt, die Illusion des grandiosen Vaters endgültig – schließlich brennt ein riesiges Bild des Vaters.
Coppola zeichnet grandiose Portraits von jungen Künstlern, die unter der Herrschaft ihres Vaters fast sich selbst zu verlieren. „Es ist nur Platz für ein Genie in dieser Familie“, sagte der Alte einst zu Tetro, bevor dieser den Kontakt abbricht. Die Brüder schwanken zwischen Wut und Resignation, Hoffnung und Aggression. Jeder Schritt in dem hochemotionalen Film wirkt wie ein Grenzgang, schließlich die brennende Befreiung als abrupter Schluss. Als die Lichter im Kinosaal angehen, bleibt das Publikum still. Applaus nach Minuten, man verlässt einen poetischen Film über die Literatur und das Leiden der Künstler – ein absolutes Meisterwerk!
Text
Wiebke Zollmann
(31.7.2009)
