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Das verlorene Spiel(zeug)

Das verlorene Spiel(zeug)
Ein Dokumärchen
Der Film über die Spielzeugregion Sonneberg von den Anfängen bis zur Gegenwart
Autor und Regie: Roland Wozniak, Musik: Rick Smitt
SON-Film e. V., 2008
Pal 16:9, 108 Minuten
14,50 Euro

Ein Teddy mit abgerissenem Arm liegt im Regal eines Kinderzimmers. Zwei Kinder sitzen vor dem Computer, eine Frau räumt auf, der Teddy kommt in den Müll. Szenenwechsel: Er liegt auf dem Gehsteig im Schnee, neben ihm der Arm. Ein Mann geht achtlos vorüber.

 

Der märchenhaft gestalteten Einleitung folgt der Dokumentationsteil, beginnend mit der Stadtgründung Sonnebergs setzt er fort über Mittelalter und Romantik und zeigt dabei den Wandel der Spielzeugherstellung: ursprünglich stellten die Menschen Spielzeug für ihre eigenen Kinder her, später taten sie es als Nebenerwerb, und schließlich diente die Spielwarenfertigung als Haupterwerb für viele Sonneberger Familien. „Das verlorene Spiel(zeug)“ thematisiert die Phase der Industrialisierung, den Handel mit Spielzeug, die wechselnden Materialen, aus denen es gefertig wurde, und die Blütezeit zur Jahrhundertwende um 1900. Zudem dokumentiert Robert Wozniaks Film die Tiefpunkte der Spielzeugstadt Zeit während der Weltkriege, aber auch den Wiederaufbau der Sonneberger Spielzeugproduktion in der Nachkriegszeit und in der DDR. Es folgen Portraits einiger noch heute im Sonneberger Land ansässiger Spielzeugmacher.

 

Der Zauber des Spielzeugs sei noch allgegenwärtig, sagt die fiktive Moderationsfigur Robert Spielmann, die vom Autor Roland Wozniak dargestellt wird, und zeigt einen Überblick über heutige touristische Ziele in der Spiezeugregion.

 

Das letzte Kapitel, „Das wiedergefundene Spielzeug“, greift den Teddybären der Einleitung wieder auf, und das im wahrsten Sinne: ein Kind findet ihn auf dem Gehweg und bringt das Spielzeug zum Puppendoktor. Der Teddy bekommt seinen Arm wieder, und als letzte Impression sieht man ein glücklich lächelndes Mädchen, wie es sein Plüschtier umarmt.

 

Als Gleichnis für die Entwicklung der Spielzeugproduktion im Sonneberger Land wiederum scheint die Rahmenhandlung zu optimistisch, eine Weltstadt des Spielzeuges wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts, als ihre Prdoduktion 40% der deutschen und 20% der weltweiten Spielzeugherstellung ausmachte, ist Sonneberg längst nicht mehr. Aber einige Betriebe haben die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts überstanden und produzieren noch heute. Vielleicht kann man sie als angenähten Arm von Sonnebergs Geschichte betrachten.

 

Nun macht den Großteil des Filmes nicht die Geschichte eines einzigen Teddys aus, sondern die Gesamtenwicklung der Region und vor allem die Entwicklung der Spielwaren. Der Film „Das verlorene Spiel(zeug)“ ist empfehlenswertes Unterrichtsmaterial, nicht nur im Sonneberger Land. Die Abschnitte sind klar gegliedert, das Verhältnis von Glanzbildern der erfolgreichen Händler und vom Elend der Spielzeughersteller ist ausgeglichen. Ein Paradies hat es für die Arbeiter nie gegeben, eher hat es in den Köpfen der Kinder existiert, die Sonneberger Spielzeug verwendeten, dies verdeutlichen die Kommentare und Filmausschnitte.

 

Die zahlreichen Orginalsequenzen aus dem 20. Jahrhundert und die Nachstellung historischer Spielzeugherstellung machen wett, dass die Rahmenhandlung das Kitschige, Klischeehafte tangiert und Moderator Robert Spielmann manches Mal mit pathetischem Appell erscheint. Man bedenke: „Spielzeug, das ihr heute den Kindern schenkt, legt einen Grundstein für die Welt, in der ihr alt werdet.“ Aber Recht hat er.